Freitag, 9. Juni 2006
Vertrauen statt Sorge
Ich glaube an Gott. Ob ich ihn so nennen muss - keine Ahnung, ich könnte auch "Höhere Macht", "Weltengeist" oder von mir aus "Gurkenkönig" sagen, das Ergebnis wäre das Gleiche. So sehr ich mit Religionen und kirchlichen Gemeinschaften über Kreuz bin, so selbstverständlich ist mir trotzdem immer das Gespräch mit dieser Höheren Macht geblieben. Eine Weile war dieses Gespräch von meiner Seite her ziemlich sprachlos, aber die Sicherheit, dass es diesen Gesprächspartner gibt, ging mir nie wirklich verloren.

Angeregt durch andere Menschen habe ich eines Tages schlicht beschlossen, mir keine Sorgen mehr über mein eigenes Leben zu machen, sondern stur davon auszugehen, das "jemand anders" Sorge und Verantwortung dafür übernimmt. Für mich war das damals ein Experiment, schwierig um so mehr, weil ich ein Mensch bin, der nur sehr widerwillig die Kontrolle über sich selbst abgibt.

Etwas als das ist passiert: ich habe nichts anderes getan als zuvor, habe mein Leben gelebt und "mein Ding gedreht" - aber in mir war eine ganz neue Ruhe, die für mich in dieser Form ungewohnt war. Ich hatte sprichwörtlich das Gefühl, dass jemand bei mir ist und darauf achtet, dass grundsätzlich nichts schief geht. Ich bin absolut kein Mensch, die davon ausgeht, dass "alles gut ist, was aus Gottes Hand kommt" (mit solchen Sprüchen kann ich nichts anfangen). Aber irgendwoher habe ein inneres Vertrauen, dass mein Leben auf einem guten Weg ist.

Viele Grüße

Eure Asta

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Dienstag, 6. Juni 2006
Da stehe ich nun, ich armer Tor...
Herzlich willkommen in meinem neuen Blog - zuerst mal muss ich wohl mich selbst begrüßen. Sonst ist ja noch niemand da ;-)

Ich möchte hier den Versuch starten, so etwas wie eine moderne Gläubigkeit oder Spiritualität ohne Religion zu definieren. Nein, definieren ist eindeutig das falsche Wort. Ich möchte sie wirklich leben, ausprobieren, Tag für Tag.

Den Anlass zu diesem Projekt gibt mir meine alte und bis heute offene Frage, wie sich eigentlich der Glaube an Gott auf uns Menschen auswirken würde, wenn es keine Kirche gäbe, keine Religionen oder Glaubensgebäude, die uns vorschreiben, was wir zu glauben haben. Die es zumindest versuchen und die einen wichtigen Anlass dafür gegeben haben, dass sich Menschen seit Jahrtausenden gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Ich persönlich kann mir ein Leben ohne Spiritualität überhaupt nicht vorstellen. Gott, eine Höchste Macht, irgend etwas Absolutes ist für mich eine Selbstverständlichkeit, ich empfinde ihn/sie/es als wesentlichen Teil meines Lebens. Sobald ich aber damit anfangen, mich mit Religionen auseinanderzusetzen, wird es schwierig.

Früher war ich kirchlich sehr aktiv. Ich bin katholisch aufgewachsen und habe Theologie studiert. Nicht zuletzt durch mein Studium habe ich für mich die (zunächst sehr schmerzliche) Erfahrung gemacht, dass der "katholische Gott" für mich nicht Gott ist. Ich sehe in den Religionen heute mögliche Zugangsweisen zu dieser "letzten Wirklichkeit", aber wenn Gott wirklich Gott ist, kann man ihn doch nicht in einer einzigen Religion finden...

Die letzten Jahre habe ich diese Frage mehr oder weniger ständig mit mir herumgetragen und in alle Richtungen bewegt. Ich komme hier nicht weiter.

Ich stelle mir eine Spiritualität vor, die davon ausgeht, dass Gott jenseits der Religion steht, dass man sowohl in einer bestimmten Religion als auch ohne jede Religion in der Lage ist, mit dieser "letzten Wirklichkeit" in Kontakt zu bleiben.

Aber, Freunde: wie sieht das praktisch aus?

Für mich werde ich dieses Tagebuch führen und freue mich auf Kommentare eurerseits. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wohin dieser Weg führt. Ein Grund mehr, nicht auf die Reise zu machen... ;-)

Viele Grüße

eure Asta

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